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Kirchliche Initiative

Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus

Die Initiative ist ein offener Zusammenschluss von Initiativen, Organisationen, Arbeitsgruppen und Einzelpersonen im Raum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie will mit ihrer Arbeit rechtsextreme und menschenfeindliche Haltungen innerhalb und außerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers benennen und ihnen konstruktiv entgegen treten. Dabei geht es nicht immer um geschlossene rechtsextreme Weltbilder, sondern auch um einzelne oder verbundene Segmente „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.

Christen und Christinnen bekennen sich zu der einen Schöpfung und zu dem einen Gott Israels, dem Vater Jesu Christi, dessen erste Jünger und Jüngerinnen jüdischen Glaubens waren. Die mit dem Judentum und dem Islam verbindende Geschöpflichkeit des Menschen, die Befreiungsgeschichte des Volkes Israel und das davon abgeleitete Gebot, sich selbst als Gast auf dieser Erde zu fühlen und deshalb eben auch die vermeintlich oder tatsächlich „Fremden“ mit gleichen Rechten und gastfreundlich aufzunehmen, verbieten jede Form von ideologisch konstruierter Ungleichheit von Menschen oder Menschengruppen. Die Kirche versteht sich als „Volk Gottes aus allen Völkern“. Darum hat sie einen inklusiven, offenen Charakter ohne Ansehen von Person, Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion und Kultur.

Die Notwendigkeit einer klaren christlichen Positionierung wird im Beschluss der 2. Tagung der 11. Synode der EKD in Ulm vom 29. Oktober 2009 deutlich: „Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist beunruhigt, dass rechtsextremes Gedankengut, das sich vermehrt in brutalen Gewalttaten äußert, in ganz Deutschland vorzufinden ist… Wir beklagen sowohl rechtsextreme Einstellungen bei Gliedern unserer Kirchengemeinden als auch zunehmende antichristliche Ressentiments und Vorfälle von Seiten Rechtsextremer. Die Demokratie ist nach christlicher Überzeugung die beste aller Gesellschaftsformen…. Die Synode der EKD bittet die Ämter der Gliedkirchen, dafür Sorge zu tragen, dass das Thema Rechtsextremismus in den Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen der Gliedkirchen Beachtung und Raum findet… Die Synode hält eine Vertiefung der theologischen Grundlagen in der Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen und menschenfeindlichen Überzeugungen und eine Prüfung der kirchenrechtlichen Konsequenzen (u.a. im Blick auf Mitgliedschaftsfragen) für dringend erforderlich.“

Wir sind der Überzeugung, dass die Ideologie des Rechtsextremismus dem christlichen Glauben zutiefst wiederspricht. Doch wir haben aus der Geschichte, speziell der deutschen  Vergangenheit schmerzhaft erfahren, dass Christen und Christinnen von rassistischen und antisemitischen Ideologien verführbar sind und Träger dieser Ideologien werden können. Die Geschichte des kirchlichen Antisemitismus ist dabei eine der besonderen Schuldverstrickungen. Heute begegnen uns diese Herausforderungen auch in Form „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.

Das macht uns sensibel für das Fehlverhalten der eigenen Mitglieder. Wir meinen, dass innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Aussagen der biblischen Botschaft zur Thematik und ein selbstkritisches historisches Bewusstsein noch stärker an Bedeutung gewinnen müssen. Daraus folgen für uns Verpflichtung und Arbeitsauftrag in Bezug auf unsere Kirchengemeinden und unsere Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen, die sich der Thematik annehmen.

Aufgaben und Ziele

  1. Die Initiative will mit ihrer Arbeit rechtsextreme und menschenfeindliche Haltungen innerhalb und außerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers benennen und ihnen konstruktiv entgegen treten. Sie stellt sich daher einer immer nochvorhandenen Bagatellisierung entgegen. Dies bedeutet auch eine Vertiefung der theologischen Grundlagendiskussion in der Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen und menschenfeindlichen Überzeugungen und eine beratende Funktion bzgl. Empfehlungen kirchenrechtlicher Konsequenzen (u.a. im Blick auf Mitgliedschaftsfragen).
  2. Die Initiative will zur Verbesserung und gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen, Aktivitäten, Arbeitsformen zur Auseinandersetzung mit rechtsextremen Einstellungen im Raum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers  beitragen. Sie will sich mit Fragen der Ursachen, der Aufklärung und der Prävention beschäftigen und positive Beispiele toleranten Miteinanders veröffentlichen und fördern. Sie weiß um die begrenzten Ressourcen einzelner Personen oder Initiativen in Gemeinden. Daher setzt sie auf gegenseitigen Austausch und Information zur Stärkung der kirchlichen Vernetzung durch den Auf- und Ausbau eines Email-Verteilers von Unterstützer/innen.
  3. Die Initiative will in die gesellschaftliche sowie innerkirchliche Debatte praktische Erfahrungen und fachliche Kompetenzen in den folgenden Bereichen einbringen:​
    1. Themarelevante und basisnahe Verkündigung in kirchlicher Erwachsenen- und Jugendarbeit
    2. Beratung und Begleitung von Opfern und potentiellen Opfergruppen rechtsextremer Gewalt,
    3. politische Bildung im Kontext Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus,
    4. Beratung und Begleitung partizipativer Planungsprozesse zur Thematik in kirchlichen und säkularen Gemeinwesen,
    5. institutionalisierte Bildungsarbeit
  4. Die Initiative will bestehende Arbeitsmaterialien sichten, Bedarfsanzeigen   an Arbeitsmaterialien und Multiplikator/innen-Workshops erheben und Kontakte zu Referent/innen bereitstellen. Dazu sucht sie den engen Kontakt besonders mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirchen für Demokratie gegen Rechtsextremismus (BAGKR) sowie zur Clearingstelle Rechtsextremismus des Landespräventionsrats Niedersachsen.​

Struktur und Arbeitsweise

  1. Die kollegiale Begegnung von Personen und Beratung der Projekte in der Initiative ist Grundlage ihrer Arbeit. Aus diesem Grund ist die Initiative demokratisch verfasst und wählt aus ihrem Kreis eine Gruppe von Sprecher/innen.  Dabei sollte möglichst auf eine regionale Ausgewogenheit und Gendergerechtigkeit geachtet werden.
  2. Die Gruppe der Sprecher/innen wird durch das verantwortliche Referat im LKA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bestätigt. Der zuständige Referent ist über die Aktivitäten des Sprecher/innen-Rats informiert und kann jederzeit an den Sitzungen teilnehmen.
  3. Fachlich angebunden ist die Initiative im Fachbereich „Kirche im Dialog“ in den Arbeitsfeldern Friedensarbeit und Weltanschauungsfragen im Haus kirchlicher Dienste. Beide Beauftragte sind qua Amt Mitglied der Sprecher/innen-Gruppe.
  4. Publizierung von Konzeptionen und politischen Stellungnahmen sind von der Sprecher/innen-Gruppe zu erarbeiten und mit der Landeskirche abzustimmen.
  5. Zur Erledigung besonderer Aufgaben kann die Initiativespezielle Arbeitskreise einrichten, die mit der selbstverantwortlichen Umsetzung und Bearbeitung von Aufgaben und Themen beauftragt sind.Die interne und öffentliche Kommunikation der Initiativeerfolgt über eine eigene Internetpräsenz, deren Inhalte die SprecherInnengrupe oder ein von ihr bestellter Arbeitskreis bestimmt.

Beschlossen durch die Vollversammlung der IKDR am 10. Februar 2012 in Hannover

Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus"
in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers (IKDR)


www.ikdr-hannover.de

Unser Kreuz hat keine Haken

Ein alter Mann ist total taub. Er geht aber jeden Sonntag zum Gottesdienst. Als ihn jemand fragt, warum er denn in die Kirche geht, obwohl er kein Wort versteht, antwortet er: „Der Segen!".

Segen kommt von „signare", signieren und heißt: mit einem Zeichen versehen. Gott hat viele Zeichen gegeben. Er gab Kain das Zeichen der Verschonung, Noah das Zeichen des Regenbogens und Mose das Zeichen des brennenden Dornbusches. Zeichen über Zeichen. Es gibt aber ein Zeichen, in dem alle anderen eingeschlossen sind: es ist das Kreuz Jesu.

Ein kleines Mädchen kommt vom Dorf in die Stadt, sieht die vielen Kirchentürme und fragt die Mutter: „Warum sind auf den Kirchen Pluszeichen?" Ein gesegnetes Leben steht unter dem Pluszeichen Gottes. Aufgrund unseres Verhaltens müsste es ja eigentlich unter einem Minuszeichen stehen. Durch die Tat Jesu am Kreuz wird es aber in ein Pluszeichen verwandelt. Wir sind so von Gott zum Leben gezeichnet, gesegnet.

„Unser Kreuz hat keine Haken.“ Mit diesen Worten grenzen wir uns deutlich von dem Zeichen ab, das im krassen Gegensatz zum Kreuz Jesu steht. Es ist das Hakenkreuz, das zentrale Symbol der Nazis. Ihr Zeichen symbolisiert kein Pluszeichen, sondern ein überaus deutliches Minuszeichen.

Rechtsextreme treten mit Füßen, was für uns Christen einen hohen Wert hat: Die Unverletzbarkeit der Menschenwürde, die Garantie der Menschenrechte, die Gleichberechtigung aller Menschen, ihre Gleichstellung und Gleichbehandlung.

Das Kreuz Jesu steht für Toleranz, Frieden und Versöhnung. Das Hakenkreuz steht dagegen steht für Rassismus und Gewalt. Beides gilt es zu verhindern. Beides widerspricht unserem christlichen Verständnis vom Umgang miteinander. Beides widerspricht auch unserem Grundsatz, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und kulturellem Hintergrund.

Martin Niemöller war Theologe und ein führender Vertreter der Bekennenden Kirche.  Wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus haben die Nazis ihn 1937 verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gesteckt.  Dort wurde er bis Kriegsende 1945 festgehalten. Nach seiner Befreiung schrieb er: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist. Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Wilfried Manneke