Foto: Peter Bethge

Netzwerk Südheide

Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus

Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus ist ein bürgerliches Bündnis und besteht aus ca. 15 rein ehrenamtlichen, aktiven Mitgliedern und ca. 400 – 500 solidarisch erklärten „passiven“ Mitgliedern. Wir sind kein Verein weil wir uns unsere freie und unbürokratische Herangehensweise erhalten möchten. Das Netzwerk wurde nach der Besetzung des Hotel Gerhus durch Neonazis um den Anwalt J. Rieger, von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet.

Nach der erfolgreichen Verhinderung eines Nazi-Ausbildungszentrums bei Fassberg liegt unsere Zielsetzung heute bei der Verhinderung der vielen, jährlich sich wiederholenden Nazitreffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich seit über 25 Jahren die niedersächsische und norddeutsche Neo-Nazi Elite, um Aktionen zu planen und Verbindungen zu festigen sowie „rechte Erlebniswelten“ wie z.B. Rechtsrockkonzerte für Jugendliche zu schaffen und sie so in ihren Einfluß zu bringen und für sich zu gewinnen. Die nach Außen harmlos wirkenden Veranstaltungen laufen unter dem Deckmantel „Brauchtumsveranstaltungen“. Sonnen- und Winterwenden Feiern sowie die sog. „Erntefeste“ dienen in Wahrheit dazu traditionelle NS Ideologie zu leben und zu verbreiten.

Mit unseren Demonstrationen wollen  wir die Öffentlichkeit auf jedes dieser Treffen, aber auch möglichst alle anderen Nazi-Aktivitäten im Landkreis, aufmerksam machen und zwingen die Bürger der Gemeinde und des Landkreises, sich mit dem Thema Rechtsextremismus, auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wir klären auf und fordern ein Ende dieser Treffen. Unsere Demonstrationen gestalten sich von Jahr zu Jahr aufwändiger und fantasievoller um mehr Bürger zum Mitmachen zu bewegen.

Das Netzwerk hat vor der evangelischen Johanniskirche in Eschede einen Gedenkstein für den von Neo-Nazis getöteten Peter Deutschmann aufgestellt. Peter Deutschmann wurde 1999 von zwei  Escheder Neonazis brutal zusammengeschlagen und sterbend allein in seinem Haus zurück gelassen.

Diese Tat ist bis heute in Eschede nicht aufgearbeitet worden. Die Täter gehörten beide zur rechten Szene in und um Celle. Das Landgericht Lüneburg verurteilte sie wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu je fünf Jahren Jugendstrafe. Einen politischen Hintergrund wollte das Gericht nicht erkennen.

Johannes K. löste sich schon während der Haftzeit aus der rechten Szene. Heute tritt er häufig auf Veranstaltungen auf, um vor den Gefahren des Rechtsextremismus zu warnen. Das Leben von Marco S. verlief dagegen ganz anders. Er vertiefte während der Haftzeit in Hameln seine Kontakte in die niedersächsische Neonazi-Szene. Er besuchte nach seiner Haftentlassung auch Konzerte und Treffen auf dem Hof Nahtz.

Wir wollen aber nicht nur Peter Deutschmann gedenken, sondern allen 186 Opfern rechtsextremer Gewalt seit 1990. Eine von uns gestaltete Installation dient als didaktisches  Ausstellungsobjekt, z.B. für Schulen, Gemeinden und anderen Räumen. Eine ca. 300 cm breite x 300 cm tiefe und 200 cm hohe, quadratische Rauminstallation zeigt alle durch rechtsextreme Gewalt umgekommenen Menschen seit 1990. Die dicht an dicht gehängten Bögen bilden in ihrer Mitte einen geschlossenen Raum der Ruhe. Wir möchten nicht nur ein Gefühl der überwältigenden Zahl getöteter Menschen geben, sondern auch auf ihre einzelnen Persönlichkeiten hinweisen und der Opfer auf diese Weise gedenken.

Wir haben 2011 einen Logo Wettbewerb durchgeführt, an dem mehr als 100 Bewerber aus dem Landkreis Celle teilgenommen haben. Das Echo in den Medien war enorm. Ziel war nicht nur ein eigenes Logo zu bekommen, sondern die Bürger am Entstehungsprozess teilhaben und aktiv an unserer Arbeit mitwirken zu lassen. Das neue Logo gibt uns eine optische Identität und seit Mai 2012 stellt uns die Webseite www.netzwerk-südheide.de eine Plattform für Kommunikation und Dokumentation. Bürger können sich bei uns melden und auch uns über Nazi-Aktivitäten informieren, worauf wir dann öffentlich reagieren. Die Webseite wird ständig aktualisiert und informiert über anstehende und vergangene Aktivitäten.

www.netzwerk-südheide.de

Logo-Wettbewerb

Unser „Netzwerk ...“ führte einen Wettbewerb zur Erstellung eines eigenen Logos durch. Aus den insgesamt 111 Einsendungen ermittelte eine Jury nach eingehender Debatte das Siegerlogo. Die Auswahl fiel schwer, da die eingesandten Entwürfe allesamt sehr engagiert waren und ein hohes Maß an Phantasie und Einfallsreichtum verrieten.

Da das Siegerlogo eine veränderte Textur aufweist, haben wir uns kurz entschlossen umbenannt und nennen uns jetzt: Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus.

Allen Einsendern an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön und Respekt für das engagierte Mitmachen.

Wir stellen uns einer Bewegung in den Weg, die keinen Hehl aus ihrer Begeisterung für den Nationalsozialismus macht. Deshalb wollen wir den heutigen Nazis weder hier in der Südheide noch sonst wo Raum lassen.